The Get Down (Review)

Letzten Freitag gingen die ersten sechs Folgen der ersten Staffel von „The Get Down“ online, der bislang teuersten Netflix Eigenproduktion.

ACHTUNG: SPOILER!

Satte 120 Millionen, das ergibt 10 Millionen pro Folge, lässt sich Netflix die Geschichte aus der South Bronx Ende der Siebziger kosten. Im Vorfeld sorgte neben den Kosten vor allem das Setting für Aufsehen: Die Anfangszeit der HipHop Kultur Ende der Siebziger sollte den Rahmen bilden.

Aber es ist nicht nur HipHop der abgebildet wird, vor allem im knapp 90-minütigen Piloten wird zunächst neben den Charakteren auch die vorherrschende Musikkultur dargestellt: Disco. Das wirkt hier und dort auch ein wenig kitschig und ist es auch, wer jedoch hier ein abdriften in Richtung Musical befürchtet, dem sei gesagt, dass diese Elemente doch deutlich weniger werden, ohne, dass die Musik verschwindet. Die ist nahezu immer vorhanden und trägt nicht wenig zur Atmosphäre bei.

Diese Atmosphäre entsteht auch durch die clevere Verflechtung von realen Plätzen und Ereginissen, einigen Nachrichtenauschnitten und eben der fiktiven Handlung rund um die Charaktere. Dabei interagieren sie sogar mit realen Personen wie z.B. dem damaligen (die Handlung spielt 1977) Kandidaten um das Amt des Bürgermeister von NYC, Ed Koch.

Und es sind keinesfalls nur die Subkulturell orientierten Charaktere die viel Spielzeit bekommen. Die Crew rund um Shaolin, Books und die Kipling-Brüder (aka The Get Down Brothers) ist ein Erzählstrang von vielen. Natürlich gibt es eine Lovestory, natürlich gibt es kriminelle Machenschaften, Labelbusiness und wie bereits erwähnt wird es auch politisch. Und ganz nebenbei wird eben gezeigt mit welchen Problemen HipHop als quasi erst entstandene Subkultur zu kämpfen hatte – sowohl auf musikalischer, als auch auf gesellschaftlicher Ebene.

Die größten Stärken von The Get Down liegen in den Szenen in denen gebattlet, geübt, geteached, etc. wird: Die HipHop relevanten Szenen eben. Egal ob die jungen Grandmaster Flash oder Kool Herc essentielle Weisheiten zum Besten geben, die Jungs an ihrer Routine feilen und es zunehmend „Klick“ macht und natürlich auch das große Finale – Pathos hin oder her, das sind einfach tolle filmische Momente in denen der OldSchooler in einem lacht.

Natürlich gibt es auch Kritikpunkte, wobei viel von dem was bislang kritisiert wurde (Es ist zu sehr hollywood und zu wenig Doku, zu viel Schnulz und Schmalz, etc.) natürlich auch subjektiv zu bewerten ist, aus unserer Sicht aber gar nicht mal so sehr das Problem ist (ausser vielleicht im Piloten bzw. da fällts am stärksten auf).

Nein, so rund The Get Down Stellenweise wirkt, so komisch fühlt es sich an anderen an – am offensichtlichsten wird das in den Eröffnungssequenzen, in denen einer der „Get Down Brothers“ 1996 im Madison Square rappt bzw. eben nicht rappt, sondern nur Lipsync zu Nas Raps liefert. Das wirkt einfach völlig strange, so man denn Nas Stimme eben kennt was man dem gemeinen an HipHop interessierten Menschen schonmal unterstellen kann.

Ein ähnliches Problem: Die Serie ist unheimlich vollgepackt mit allerlei Referenzen, Querverweisen, Anspielungen, etc. die nur funktionieren wenn man sich bereits ein wenig im Setting (lies: OldSchool) auskennt. Für uns natürlich grandios und pure Freude, für Menschen ohne Vorkenntnisse doch ein wenig verwirrend weil vielleicht ein wenig zu wenig erklärt. Das solche Momente auch sehr gut inszeniert werden können zeigt der Umgang mit dem Stromausfall in 1977 in NYC – dort nimmt man sich die Zeit Dinge richtig darzustellen und in den Kontext zu setzen.

Betrachtet man es aber andersrum kann man auch zum Schluß kommen, es ist ziemlich mutig eine Serie mit so einem hohen Budget zwar durchaus mainstream tauglich, aber auf den zweiten Blick dennoch so komplex zu gestalten und genug Futter für HipHop Nerd zu liefern, die sich natürlich freuen, wenn die Protagonisten eine Party in  der 1520 Sedgwick Avenue besuchen oder gezeigt wird wie es an der Writer’s Bench zu geht und Blackbooks getauscht werden.

Unterm Strich bleiben aber fünf Folgen zu jeweils knapp 60 Minuten plus ein 90 Minuten Pilot in einem überragenden Setting, starken Charakteren, vielen Handlungssträngen, toller digitaler Nachbereitung, einer wie auf den Leib geschneiderten Rolle für Jayden Smith und einem Wahnsinns Soundtrack. Sofern man sich ein wenig für die Zeit Ende der 1970er und OldSchool HipHop begeistern kann ist The Get Down schlicht Pflicht.

Die ersten sechs Folgen von „The Get Down“ sind ab sofort exklusiv bei Netflix verfügbar, die weiteren sechs Folgen der ersten Staffel folgen Anfang 2017.

 

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