No Man’s Sky (Review)

Endlich ist es da. Wir haben No Man’s Sky bereits spielen können und hier nun unsere Review zum Spiel auf das wir lange gewartet haben.

Aber immerhin ist es sonnig. Schlanke minus 70 Grad Celsius hats draußen, es ist Nacht aber hell (und tagsüber dunkler), mein Raumschiff ist ziemlich verkehrsuntauglich, mein Geländescanner und Fernglas auch. Aber immerhin ist es sonnig auf **** ** *** – der Planet auf dem ich also gestrandet bin (mein infantiler Humor bringt mich dazu „bad language Filter“ mit als erstes in Spielen auszuprobieren).

So beginnt nun meine Reise zum Mittelpunkt des Universums, irgendwo auf einem (von mir benannten) Planeten in der Euklid Galaxie. Die wenig berauschende Ausgangssituation bessert sich aber schnell, die ersten Quests (das Raumschiff zum fliegen bringen) fungieren als Tutorial bzgl. dem Abbau von Ressourcen und dem Crafting System. Nebenbei nehmen auch Scanner und Fernglas ihren Dienst wieder auf und ehe man sich versieht sind zwei Stunden vergangen ohne dass man das Raumschiff zum fliegen gebracht hat, aber dafür neue Lebewesen, Pflanzen, Gesteine, Ruinen, Landschaften, Höhlen etc. entdeckt hat. Wir reden hier immer noch über den Startplaneten.

Was laut Trailer als eine von vier Säulen angepriesen wurde kommt bereits auf dem ersten Planeten zur Geltung: Das Erkunden ist Spitze, weil es zum einen viel aber vor allem verschiedenes zu Erkunden gibt. Flora und Fauna sind in unserem Fall gar nicht mal das Hauptaugenmerk, sondern vor allem Ruinen (Tafeln, Monolithen, Weisheitssteine): Mithilfe dieser lernt man die Sprache anderer Rassen sowie erhält Informationen über die Geschichte, den Charakter und Eigenschaften selbiger.

No Man’s Sky hat ein Herz für Lore-Nerds

So ergeben sich bei entsprechenden Kenntnissen der Sprache bessere Entscheidungsmöglichkeiten in Gesprächen mit den Aliens, weil man sie besser versteht. Direkt vorweg: Vor allem dieser Aspekt von No Man’s Sky, die anderen Rassen, die Sprache, deren Geschichten, Konflikte, etc. kurzum: die „Lore“ des Universums von No Man’s Sky ist das was uns bislang mit Abstand am meisten begeistert. Die Beziehungen zwischen versch. Rassen, die unterschiedlichen Vokabeln die sie verwenden (hier eher technisch-rationale, dort eher leidenschaftlich-lebendig), wie sie auf den Spieler reagieren bzw. ihn Wahrnehmen und begrüßen (Reisender, Freund, Eindringling)… Das alles zu entdecken und erforschen, sich selbst einen Reim darauf machen… Nerdherz was willst du mehr?

Hand in Hand damit geht das Handelssystem. Ein galaktisches Handelsportal, dass in Außenposten auf Planeten und in Raumstationen zur Verfügung steht lässt erbeutete Ressourcen, Schätze, Relikte und sonstiges zu Geld machen. Auch Tauschhandel ist möglich, so kann man manchmal im Gespräch mit Aliens rausfinden, dass sie etwas benötigen, je nachdem wie gut man die Sprache versteht bekommt man mit was genau und so man dies bieten kann, erhält man Technologie, Verbrauchsgüter oder Artefakte.

Jeder Handel hat seine Geschichte

Daneben ist auch Handel mit anderen (NPC) Charakteren möglich, die mit ihren Raumschiffen ebenfalls die Raumstationen besuchen. So kann man sich auch übrigens neue Raumschiffe zulegen – doch bislang hängen wir noch zu sehr an unserer mühsam zusammengeflickten und nach und nach aufgerüsteten RaumRostlaube um diesen Schritt zu gehen.

Über Kurz oder Lang wird das zwangsläufig nötig sein, denn vor allem für den Kampf im Weltraum braucht es Feuerkraft. Bislang hatten wir nur einmal das Vergnügen der Bekanntschaft mit Raumpiraten, die Schlacht war sehr kurzweilig und unterhaltsam, aber auch sehr kurz und chancenlos, weil kein Bums. Aber das was wir bisher erlebt haben hat auf jeden Fall Lust auf mehr gemacht und wird zusammen mit der Aufrüstung des Schiffs als nächstes in Angriff genommen. Kämpfe am Boden spielen sich ebenfalls gut, auch hier ist es eine Frage des Spielstils und der Aufrüstung des Equipments.

Und das ist auch (bislang) das größte Manko von No Man’s Sky: Das Inventar ist chronisch klein und man verbringt viel Zeit mit Mikromanagement im Menü. Jedes Upgrade, jede neue Technologie (egal ob an ExoSuit, Multi-Tool oder Raumschiff) nimmt einen Slot weg solange sie eingesetzt ist und der kann wiederum nicht verwendet werden für Treibstoff (Bodenschätze) den alle drei Geräte benötigen. Das trübt nicht nur den Gameflow, sondern schränkt auch ein wenig ein: „Einfach mal so drauf los“ ziehen ist nicht drin, da man sich schnell im Ressourcenstuggle und Mikromanagement wiederfindet, so man überleben will.

Groß ist gar kein Ausdruck

Zumal sich gerade so eine penible Frickelei mit dem Spielprinzip an sich bzw. der Spielwelt gegenüberstehen: 18 Trillionen Planeten, von denen jeder für sich genommen schon riesig ist und locker für ein eigenes Spiel reichen würde, sind eine schier unglaubliche Zahl. So beeindruckend das auch klingt, so abwechslungsreich die Planeten sind (bislang haben wir 6 verschiedene betreten) und so stimmig und faszinierend die Lore auf uns wirkt: Es wird die große Frage bleiben wie lange uns No Man’s Sky fesseln kann. Diese Frage jedoch dürfte damit zusammenhängen, welche weitere Vision einerseits Hello Games noch für das Spiel hat und andererseits wie und ob sich Spieler online treffen werden und wie diese Interaktion aussehen kann und wird.

Fazit

No Man’s Sky ist eine Sandbox mit wunderbarem SciFi Setting, quasi endlos vielen Planeten und verschiedenen Spielmechaniken, die bislang gut ineinander greifen und teilweise aber das Spiel ein wenig einengen. Wer hier ein Story getriebenes und prächtig inszeniertes Space Epos erwartet, der wird enttäuscht von dannen ziehen. Wer aber Spaß am Erkunden, Looten (ohne Leveln) und Craften (auch kein schlechter Ersatz) und tollen Weltraumschlachten hat, der kommt hier voll auf seine Kosten.

Minecraft für Erwachsene/Spacenerds? Nein, dafür ist No Man’s Sky zu eigenständig in seinen Mechaniken und zu eindeutig im Artstyle (der sehr dope ist!). Ausserdem überzeugt der Soundtrack von 65daysofstatic und die von der Band aufgenommenen Soundschnipsel die ebenfalls prozedural generiert und situationsbedingt eingespielt werden.

Aber es ist eben auch kein GTA x Star Wars Blockbuster. Es ist, und das ist in diesem Fall ausdrücklich als Kompliment gemeint, ein Spiel, das einem auch nach den ersten 15 Stunden immer noch mehr neue Fragen stellt als dass es Antworten liefert und einen somit immer noch ein wenig ratlos zurücklässt – und zum weiterspielen verleitet. Und das werden wir die nächste Zeit auf jeden Fall noch zur Genüge tun.

No Man’s Sky von Hello Games ist ab heute für die PS4 und am dem 12.8. für PC erhältlich.

 

Kommentieren Sie den Artikel